Im Rahmen des Moduls „The Computer of the Mouth“ im Studiengang Interaction Design beschäftigten wir uns mit der Schnittstelle zwischen physischem Geschmackserleben und digitaler Vermittlung. Ziel war es, neue Wege der Wahrnehmung und Interaktion mit dem Thema Essen zu erforschen. Unsere Gruppe entwickelte das Projekt ForkEye, ein konzeptuelles Setting, das die Perspektive auf das Essen durch den Einsatz von VR-Technologie verändert. Der Fokus lag dabei auf der Wahrnehmung von Textur, Farbe und sensorischem Erleben beim Essen. Durch das Zusammenspiel von Setdesign, VR-experience und immersiven Techniken entstand eine Erfahrung, bei der die Betrachter:innen visuell und auditiv in den Moment des Essens eintauchen können. Im Zentrum stand die Frage: Wie verändert sich das Erleben, wenn wir unsere Perspektive buchstäblich verlagern – etwa auf die Gabel?
Die Aufgabenstellung des Moduls bestand darin, ein interaktives Erlebnis zu gestalten, das den „Computer of the Mouth“ thematisiert. Dabei war die Interpretation bewusst offen gehalten. Unser Ansatz zielte darauf ab, Essen nicht nur als Konsumhandlung, sondern als multisensorische Erfahrung neu zu inszenieren. Das Briefing legte besonderen Wert auf experimentelle Zugänge und forderte uns auf, narrative, gestalterische und technische Mittel in Kombination zu nutzen. Die Arbeit fand in Gruppen statt und erforderte sowohl konzeptuelle als auch praktische Kompetenzen – von der Ideenfindung über die technische Umsetzung bis hin zur Präsentation der Erfahrung in einem Ausstellungssetting.
Der Projektverlauf begann mit einer intensiven Ideenfindungsphase, in der wir unterschiedliche Richtungen – etwa Esskulturen, Texturen oder Social Media – explorierten. Nach mehreren Konzeptansätzen entschieden wir uns für die Idee eines Perspektivwechsels auf das Essen selbst. Es folgten Deep-Dives zu Lebensmitteln mit besonderer Textur oder Farbe, experimentelle Menüzusammenstellungen sowie erste Kamera- und VR-Tests. Der Bau des Prototyps umfasste die Entwicklung des „ForkEye“-Geräts und den gezielten Einsatz von Kamera- und VR-Technologie. Das Setdesign wurde minimalistisch gehalten, um den Fokus auf die Nahaufnahmen der Speisen zu lenken. Der Videodreh bestand aus mehreren aufwendig geplanten Szenen mit dynamischen Perspektiven, bei denen GoPros und Tischaufbauten verwendet wurden. Abschliessend wurde eine VR-Szene erstellt, in der das Gabel-Erlebnis immersiv erfahrbar gemacht wurde.
Das Ergebnis ist eine immersive Videoinstallation mit einer VR-Komponente, die den Moment des Essens aus einer ungewöhnlichen Perspektive erfahrbar macht. Der Fokus liegt auf der visuell inszenierten Reise des Essens von der Gabel bis zum Mund. Ergänzt wird das Erlebnis durch ein eigens entwickeltes Menü mit betont sensorischen Speisen – etwa Rotwein, mit dem Lasercutter bearbeiteten Cannelloni oder farbintensivem Randen in ungewöhnlichen Formen. Die dokumentarische Inszenierung arbeitet mit Nahaufnahmen, Soundscapes und gezielter Lichtregie. Der „ForkEye“ fungiert als symbolisches wie technisches Bindeglied zwischen Objekt und Wahrnehmung. Insgesamt zeigt das Projekt einen spekulativen, aber greifbaren Weg, wie Technologie und Design genutzt werden können, um alltägliche Vorgänge wie das Essen neu zu rahmen. Die entstandene Arbeit vereint gestalterische Neugier, technisches Experiment und ästhetische Reflexion.