Im Rahmen des Moduls Physical Computing setzten wir uns mit dem Thema sensorische Substitution auseinander. Das Ziel war es, ein technisches Gerät zu entwickeln, das einen Sinneseindruck durch einen anderen ersetzt oder ergänzt. Daraus entstand SENSO, ein Wearable zur räumlichen Wahrnehmung mittels Vibration. Unser Projekt vereint technisches Know-how mit einem hohen Mass an Empathie für den menschlichen Körper und dessen sensorische Fähigkeiten. Durch das bewusste Erleben und Gestalten von Interaktion auf haptischer Ebene wollten wir neue Wege der Wahrnehmung und Kommunikation mit der Umwelt ermöglichen – insbesondere als Erweiterung der eigenen Sinne. Die Arbeit an SENSO war eine intensive Auseinandersetzung mit Elektronik, Materialität und Usability. Gleichzeitig war es ein experimentelles Feld, um zu lernen, wie Technik auf intuitive Weise in den menschlichen Alltag integriert werden kann. Der iterative und praxisorientierte Ansatz des Moduls ermöglichte es uns, eigene Ideen auszuprobieren, zu hinterfragen und weiterzuentwickeln – bis hin zu einem funktionalen, tragbaren Prototypen.
Die Aufgabenstellung lautete, ein Gerät zur sensorischen Substitution zu entwerfen – also eine Technologie, die einen Sinneseindruck in einen anderen übersetzt. Der Fokus lag dabei nicht nur auf der technischen Umsetzung, sondern auf dem bewussten Design einer interaktiven Erfahrung. Unsere Aufgabe war es, neue Wege zu finden, wie der Mensch seine Umwelt über alternative Kanäle wahrnehmen kann. Besonders spannend war der Aspekt, dass es sich nicht um eine Kompensation handeln musste – sondern eine Erweiterungen der Sinne gewünscht war. Im Team analysierten wir verschiedene Sinne und deren Wechselwirkungen, wobei sich die Kombination aus Sehen und Tasten als besonders vielversprechend herrausstellte. Die Idee: visuelle Raumwahrnehmung durch taktile Reize ersetzen oder ergänzen. Wir stellten uns ein Wearable vor, das Hindernisse im Raum erkennt und die Informationen über Vibrationsmotoren an den Körper weitergibt.
Der Entwicklungsprozess von SENSO war stark experimentell und praxisorientiert. Am Anfang stand die gemeinsame Ideenfindung im Team – durch Diskussionen und Skizzen kristallisierte sich schnell der Wunsch heraus, visuelle Informationen in haptische Signale zu übersetzen. Es folgte eine intensive Recherchephase zu geeigneten Sensoren und Motoren. In der Prototyping-Phase testeten wir verschiedene Vibrationsstärken, Materialien zur Verteilung und Verstärkung der Vibrationen und die Positionierung am Körper. Besonders herausfordernd war es, die Elektronik robust, aber gleichzeitig flexibel zu integrieren. Im weiteren Verlauf wurde der Gürtel in mehreren Iterationen gebaut, genäht und getestet – inklusive der Integration der Sensoren in selbst designte 3D-gedruckte Gehäuse. Parallel entwickelten wir die Software-Logik, die die Distanzdaten interpretiert und in Vibrationsstärken übersetzt. Durch den iterativen Prozess war es uns möglich, schnell auf Probleme reagieren konnten und in der kurzen Zeit einen hochwertigen, funktionalen Prototypen entwickeln konnten.
SENSO ist ein tragbares, elektronisches Device zur Erweiterung der räumlichen Wahrnehmung über haptische Reize. Es handelt sich um einen Gürtel mit sechs Vibrationseinheiten, die durch zwei ToF-Sensoren (VL53L5CX) gesteuert werden. Diese messen die Distanz zu Objekten im Raum und übertragen diese Information über unterschiedliche Vibrationsintensitäten an den Körper. Die Nähe zu einem Hindernis wird somit spürbar – stärkeres Vibrieren bedeutet geringere Distanz. Der Gürtel ist robust gebaut, individuell einstellbar und angenehm zu tragen. Die Elektronik ist im 3D-gedruckten Gehäuse integriert und fest mit dem Textil verbunden. SENSO ermöglicht es, Informationen über die unmittelbare Umgebung taktil wahrzunehmen und kann potenziell als Unterstützung für Personen mit eingeschränkter Sehfähigkeit eingesetzt werden. Auch abseits davon ist der Ansatz grundsätzlich für Situationen denkbar, in denen eine zusätzliche, nicht-visuelle Raumwahrnehmung sinnvoll ist – zum Beispiel in unübersichtlichen oder visuell überladenen Umgebungen. Weiter bietet SENSO die Möglichkeit, die eigene Wahrnehmung und die sensorische Fähigkeiten des Körpers neu zu erleben.