Im Museum Rietberg werden tausende von kulturellen Artefakten aus vielen verschiedenen Epochen und Kulturen gelagert und ausgestellt. Im aktuellen Museumskonzept kommen die geschichtlichen, kulturellen Hintergründe oftmals zu kurz, es fehlt der physische Platz für zusätzliche Informationen. Mit unserem Konzept kann sowohl dem kunsthistorischen als auch der anderen Bedeutungen und Kontexten gerecht werden, auch koloniale Vergangenheiten können dargelegt werden, ohne dass das szenographische Konzept darunter leidet. Die Besucher*innen erhalten einen Token, mit welchem sie Artefakte, die sie interessieren, speichern können. Die so entstandene persönliche Sammlung kann an einem Kiosk-Screen im Museum betrachtet, nach verschiedenen Eigenschaften kategorisiert und nach weiteren Informationen durchstöbert werden. Um auch zu Hause weiter Zugriff auf die Sammlung zu haben, kann ein QR-Code ausgedruckt werden. So wird der Museumsbesuch nachhaltig und ermutigt zu einem erneuten Besuch des Museums.
Die Ausgangslage des Projekts war ein Briefing des Museum Rietberg, das sich mit aktuellen Herausforderungen rund um Besucherführung, Inklusion und Kontextvermittlung beschäftigt. Das Museum wollte wissen: Wie finden Besucherinnen ihren Weg ins und durch das Museum? Wie kann Kontext zu Kunstwerken gegeben werden, ohne den ästhetischen Raum zu stören? Wie können neue und diverse Zielgruppen – darunter Tourist*innen, Familien oder junge Erwachsene – besser erreicht und integriert werden? Es ging dabei nicht nur um technische Lösungen, sondern um ein tieferes Verständnis für soziale und räumliche Zusammenhänge. Unser Ziel war es, Dienstleistungen zu entwerfen, die nicht nur funktional, sondern auch emotional und kulturell nachhaltig sind.Die Herausforderung bestand darin, die verschiedenen Aspekte miteinander zu verbinden und eine kohärente Lösung zu entwickeln, die sowohl den Bedürfnissen der Besucher*innen als auch den Anforderungen des Museums gerecht wird.
Unser Designprozess folgte einem iterativen, nutzerzentrierten Ansatz. In der ersten Phase führten wir umfangreiche Desk- und Field-Research durch: Wir analysierten bestehende Informationsangebote, führten Interviews mit Museumspersonal (z.B. Kassenpersonal, Sicherheitsdienste, Aufsicht), besuchten andere Museen im Hinblick auf unsere Fragestellungen und beobachteten Besucherströme und Interaktionen im Raum. Dabei identifizierten wir zentrale Probleme: unklare Besucherführung, fehlende Exponatserklärungen, mangelnde Interaktivität sowie soziale Barrieren für bestimmte Zielgruppen. Auf Basis dieser Erkenntnisse entwickelten wir erste Serviceideen – sogenannte Mini-Services – und validierten diese mit Hilfe von Journey Maps und Tests von Rapid Prototypes im Museum. In mehreren Ideation- und Designstudio-Phasen entstanden konkrete Konzepte wie z.B. eine AR-App zur Kontextualisierung von Objekten, interaktive Spielräume oder Informationsstationen im Park. Besonders wichtig war uns dabei die Balance von analogem und digitalem Erlebnis, sowie die Inklusion von Nutzer*innen mit unterschiedlichen Bedürfnissen. Unser iterativer Prozess ermöglichte es uns, Hypothesen laufend zu testen, Feedback einzuarbeiten und unsere Ideen realitätsnah weiterzuentwickeln. Die ständige Reflexion über den gesellschaftlichen und kulturellen Kontext der Dienstleistungen war dabei zentral.
Wir entwickelten ein serviceorientiertes Ökosystem für das Museum Rietberg, das Besucherinnen ein interaktives, personalisiertes Kunsterlebnis ermöglicht. Herzstück des Konzepts ist die Anwendung ArtcollectoR, in Kombination mit tragbaren Token und stationären Kiosken. Durch diese digitale Ebene erhalten Ausstellungsobjekte eine zusätzliche Kontextualisierung, ohne das physische Erlebnis zu stören. Nutzerinnen können während ihres Besuchs individuelle Kunstsammlungen erstellen, Informationen vertiefen und ihre Erlebnisse direkt auf Social Media teilen. Die Kombination aus Personalisierung und Interaktion zielt darauf ab, insbesondere jüngere oder digitalaffine Zielgruppen für das Museum zu begeistern. Die Flexibilität unseres Konzepts erlaubt eine modulare Umsetzung in drei Ausbaustufen – vom Minimum Viable Product (Token, Kiosk, Web-Digest) bis hin zur vollständigen AR-basierten App-Lösung. Als Prototypen wurden bereits eine App-Oberfläche, Token-Mockups sowie Kiosk-Schnittstellen entwickelt. Langfristig soll ein intelligentes System entstehen, das Daten auswertet und Nutzer*innen durch personalisierte Newsletter à la „Spotify Wrapped“ anspricht. ArtcollectoR versteht sich als Bindeglied zwischen physischem Museumsraum und digitaler Interaktion.